Ein Gastbeitrag von Thomas Kirschner, Inhaber von Thoki Küche & Weinkonzept
Sie haben einen wunderbaren Wein entdeckt, doch damit dieser Wein auch beim Öffnen noch so schmeckt, wie er soll, ist die richtige Lagerung entscheidend. Selbst der feinste Tropfen kann durch falsche Bedingungen leiden und seinen Charakter verlieren. Keine Sorge, es ist kein Hexenwerk! Die wichtigsten Regeln sind einfach zu befolgen.
Wir zeigen Ihnen die 5 häufigsten Fehler bei der Weinlagerung und wie Sie diese ganz einfach vermeiden können, damit Sie jeden Schluck in vollen Zügen genießen können.
Fehler Nr. 1: Licht – Der unsichtbare Feind
Wein mag es dunkel. Besonders direktes Sonnenlicht oder starkes Neonlicht sind Gift für Ihren Wein. Die energiereichen UV-Strahlen können chemische Reaktionen in der Flasche auslösen, die sogenannte "Lichtgeschmack" (auch "Lightstrike") verursachen können. Dieser äußert sich oft in unangenehmen, schwefeligen Tönen, die die fruchtigen und komplexen Aromen überdecken. Auch die Struktur des Weins kann darunter leiden.
Lagern Sie Ihre Weine am besten in kompletter Dunkelheit. Ein unbeheizter Kellerraum, ein dunkler Schrank oder spezielle Weinregale, die die Flaschen vor Licht schützen, sind ideal. Deshalb werden viele Weine auch in dunkle oder grüne Flaschen gefüllt – das bietet bereits einen gewissen Schutz, ersetzt aber nicht die dunkle Lagerung selbst, besonders über längere Zeiträume.
Fehler Nr. 2: Die falsche Temperatur oder – noch schlimmer – Temperaturschwankungen
Wein hat eine Wohlfühltemperatur, die idealerweise zwischen 10 und 15°C liegt. Zu hohe Temperaturen (über 20°C) beschleunigen die Reifung unkontrolliert und können den Wein regelrecht "kochen" lassen, was die zarten Aromen zerstört und ihn platt schmecken lässt. Zu niedrige Temperaturen sind weniger schädlich, verlangsamen aber die positive Entwicklung bei lagerfähigen Weinen.
Der wahre Übeltäter sind jedoch starke und schnelle Temperaturschwankungen! Diese führen dazu, dass sich der Wein in der Flasche ausdehnt und zusammenzieht. Bei Flaschen mit Korken kann dies dazu führen, dass der Korken sich leicht bewegt und Sauerstoff in die Flasche gezogen wird – Oxidation ist die unschöne Folge, die den Wein alt und sherryartig schmecken lässt.
Suchen Sie einen Lagerort mit möglichst konstanter Temperatur. Ein unbeheizter Kellerraum, der das ganze Jahr über eine relativ gleichmäßige Temperatur hält, ist oft perfekt. Vermeiden Sie Orte wie Küchen (Kochwärme!), Heizungsnähe, Dachböden oder Garagen, wo die Temperaturen stark schwanken können. Ein Weinklimaschrank ist natürlich die Luxusvariante für absolute Kontrolle über die Temperatur.
Fehler Nr. 3: Zu trockene Luft
Dieser Fehler betrifft hauptsächlich Weine mit Naturkorken, die liegend gelagert werden. Ist die Umgebungsluft zu trocken (unter 70-80% relativer Luftfeuchtigkeit), kann der Korken mit der Zeit austrocknen und schrumpfen. Die Folge: Er schließt nicht mehr perfekt ab, und unerwünschter Sauerstoff kann in die Flasche gelangen. Wie bei Temperaturschwankungen führt dies zu Oxidation und beeinträchtigt den Wein.
Achten Sie auf eine ausreichende Luftfeuchtigkeit am Lagerort, ideal sind 60-80%. In vielen Kellern ist die Feuchtigkeit natürlich gegeben. In trockenen Räumen kann ein kleiner Luftbefeuchter in der Nähe des Weinregals (nicht direkt neben den Flaschen, um Etiketten zu schützen!) helfen. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit ist weniger schädlich für den Wein selbst, kann aber Etiketten ruinieren oder Schimmel am Flaschenhals fördern.
Fehler Nr. 4: Erschütterungen und Vibrationen
Wein mag es ruhig. Ständige Erschütterungen, wie sie beispielsweise neben einer Waschmaschine, einem Kühlschrank oder in der Nähe von stark frequentierten Wegen entstehen, können den Reifeprozess stören. Sie wirbeln natürliches Depot (Bodensatz) auf und können den Wein auf Dauer "müde" oder unruhig machen, da sich die flüchtigen Aromen nicht setzen können.
Suchen Sie einen Lagerort, der möglichst frei von Vibrationen ist. Ein stabiles Weinregal oder eine Weinbox in einem ruhigen Bereich des Hauses oder Kellers ist ideal.
Fehler Nr. 5: Starke Gerüche in der Umgebung
Korken sind zwar dicht, aber nicht völlig geruchsneutral und können Gerüche aus der Umgebung aufnehmen. Lagern Sie Wein neben stark riechenden Substanzen wie Farben, Lacken, Reinigungsmitteln, Zwiebeln, Knoblauch oder Benzin, können sich diese Aromen über den Korken auf den Wein übertragen und ihn ungenießbar machen. Dies führt zu einem "Korkschmecker" im negativen Sinne, der nichts mit dem klassischen Korkfehler zu tun hat, sondern ein übertragener Fremdgeruch ist.
Achten Sie darauf, dass Ihr Weinlager geruchsneutral ist. Vermeiden Sie die Lagerung in Vorratskammern mit offenen, stark riechenden Lebensmitteln, in frisch gestrichenen Räumen oder in der Garage neben Autoreifen und Benzin.
Fazit: Schützen Sie Ihren Genuss!
Licht, falsche Temperatur, zu trockene Luft, Vibrationen und unangenehme Gerüche sind die größten Feinde Ihres Weins. Doch mit ein wenig Aufmerksamkeit und der Beachtung dieser 5 Punkte können Sie sicherstellen, dass Ihre sorgfältig ausgewählten Tropfen – sei es ein spritziger Riesling aus der Pfalz, ein eleganter Spätburgunder oder ein anderer Wein, den Sie lieben – ihr volles Potenzial entfalten, wenn Sie sie endlich entkorken. Beherzigen Sie diese einfachen Regeln, und Sie werden mit ungetrübten Weingenuss belohnt. Auf Ihr nächstes unvergessliches Weinerlebnis!
Bildquelle : Envato

